Von Kirtag bis Erntedank – diese Krapfen sind der Hit auf jedem ländlichen Fest!

Sie sind allseits beliebt und begehrt und werden auf vielen Festen meistens von Bäuerinnen frisch vor Ort gebacken: die Bauernkrapfen. Wenn man den Bäckerinnen dabei eine Zeit lang zusieht, dann wird man Zeuge bzw. Zeugin von perfekter Teamarbeit. Die erste rührt mit der Hand den Teig an – je nach Fest werden dabei an die 50 kg Mehl verbraucht – Blasen an den Händen sind also inklusive 😉 Nachdem der Teig ausreichend „gegangen“ ist, sticht die zweite mit einem großen Esslöffel oder einem kleinen Schöpfer möglichst gleich große Stücke aus dem Teig. Von der nächsten Bäckerin werden die Teiglinge „geschliffen“, also zu runden Kugeln mit glatter Oberfläche geformt. Die Kugeln dürfen wieder rasten, bis sie von Bäckerin Nummer vier ausgezogen und in das heiße Fett gelegt werden. Dort wartet bereits die fünfte, die die eingelegten Krapfen zuerst mit heißem Fett übergießt und dann wendet. Wenn die Krapfen dann aus ihrem „Fettbad“ kommen, lässt man sie mehr oder weniger lange abtropfen, bevor schon wartende Hände danach greifen und sie am besten noch heiß verspeisen.

Tatsächlich ist das Krapfen backen eine althergebrachte Tradition, die nicht mehr so viele beherrschen. Umso wichtiger ist es, solche Gebräuche weiterzugeben, damit sie auch in den nächsten Generationen noch erhalten bleiben. Ein paar Dinge gibt es, auf die man beim Bauernkrapfen zubereiten achten sollte:

  1. Kein Stress! Je mehr Zeit man sich zum Krapfen backen nimmt, desto besser werden sie!
  2. Den Teig unbedingt mit der Hand zubereiten, auch wenn es ein bisschen mühsam ist. Durch die händische Zubereitung wird mehr Luft in den Teig eingeschlagen und er flaumiger – und gleichzeitig ist das Krafttraining für diesen Tag auch schon erledigt.
  3. Der Germteig wird umso besser, je öfter er aufgehen kann. Nach einer Stunde wird der Teig nämlich wieder zusammengerührt und nochmals für etwa eine Stunde stehen gelassen. So wird der Teig feiner und luftiger.
  4. Die Teiglinge auf einem bemehlten Tuch sorgfältig rund schleifen, bis sie eine schöne, glatte Oberfläche aufweisen. Da ist es auf jeden Fall von Vorteil, wenn man das Schleifen schon bei dem einen oder anderen Brotteig geübt hat. Die Kugeln dann nochmals mindestens eine halbe Stunde zugedeckt gehen lassen.
  5. Die richtige Backtemperatur! Das Fett (Pflanzenöl oder Butterschmalz – oder auch gemischt) auf etwa 190 – 200 Grad erhitzen. Die Temperatur ist ausschlaggebend für die Qualität der Bauernkrapfen. Bei vielen anderen Schmalzgebäcken (wie etwa Faschingskrapfen, Donuts, Mäuse, etc.) braucht man eine niedrigere Temperatur von etwa 160 °C, da diese Teige langsamer ausgebacken werden müssen um durchzugaren. Bei Bauernkrapfen ist das anders: ist die Temperatur zu niedrig, gehen sie zwar am Anfang, wenn man sie ins Fett einlegt, schön auf; da sie aber lange brauchen, bis sie goldbraun werden, fallen sie wieder zusammen, wenn man sie umdreht. Außerdem saugen sie sich mit unnötig viel Fett voll. Ist die Temperatur zu hoch (also über 200 Grad), werden die Krapfen außen schnell dunkel, sie sind aber innen nicht gar. Ich empfehle hier unbedingt die Messung mit einem Digitalthermometer!
  6. Die Bauernkrapfen mit dem Loch nach unten auf Küchenrolle abtropfen lassen.

Und dann auf jeden Fall frisch und am besten noch warm genießen – ob pikant mit Sauerkraut oder süß mit Staubzucker und Marmelade, Bauernkrapfen sind ein Genuss.

Zur kleinen Veranschaulichung habe ich unten noch ein Video hinzugefügt, bei dem mir meine Mutter geholfen hat. Denn wie ich am Anfang schon sagte: Krapfen backen ist Teamarbeit und genau so macht es auch am meisten Spaß!

Gutes Gelingen und viel Freude beim Nachbacken!

Eure Veronika

Bauernkrapfen

4.80 von 10 Bewertungen
Vorbereitungszeit 30 Minuten
Zubereitungszeit 1 Stunde
Rastzeit 1 Stunde 30 Minuten
Portionen 30 Stück
Kein Fest am Land ohne das liebste Brauchtumsgebäck der Österreicher!

Zutaten

  • 1,5 kg Weizenmehl (glatt)
  • 42 g Germ (frisch)
  • 2 EL Zucker
  • 900 ml Milch (lauwarm)
  • 20 g Salz
  • 5 Stück Eier
  • 3 – 4 EL Rum
  • 1 – 2 Liter Butterschmalz oder Pflanzenöl zum Herausbacken

Anleitungen 

  • Das Mehl in eine große Germteigschüssel wiegen. Germ mit Milch und Zucker verrühren und zum Mehl leeren. Restliche Zutaten zugeben und alles mit dem Kochlöffel zu einem weichen Germteig verarbeiten. Dabei den Germteig so lange „schlagen“, bis er Blasen wirft.
  • Den Teig mindestens eine Stunde gehen lassen, besser noch länger.
  • Mit einem Löffel Portionen herausstechen und auf einem gut bemehlten Tuch zu Kugeln schleifen. Nochmals eine halbe Stunde gehen lassen.
  • Butterschmalz oder Pflanzenöl in einer großen Pfanne auf 200 °C erhitzen.
  • Die Teigkugeln mit bemehlten Händen auseinanderziehen (innen dünn, außen dick) und mit der Oberseite nach unten in das Fett einlegen. Auf beiden Seiten goldbraun backen, das geht bei dieser Hitze ziemlich schnell.
  • Die Krapfen herausnehmen und auf Küchenpapier abtropfen lassen.
  • Die Krapfen je nach Belieben mit beliebiger Marmelade füllen oder pikant mit Sauerkraut genießen.

Notizen

  • Für eine kleinere Menge Teig so viel Fett zu erhitzen, zahlt sich nicht wirklich aus – deshalb habe ich ein Rezept mit soviel Mehl angegeben. Bauernkrapfen kann man aber auch gut einfrieren: zum Auftauen auf ein Blech legen und bei Zimmertemperatur etwa eine halbe Stunde antauen lassen. Anschließend für 2 – 3 Minuten im vorgeheizten Rohr bei 180 °C Heißluft aufbacken.
  • Variation „Gebackene Mäuse“: Dem Teig in Rum eingeweichte Rosinen zugeben und mit einem in Fett getunkten Esslöffel kleine Portionen abstechen. Diese in ca. 160 °C heißes Fett einlegen und auf allen Seiten goldbraun ausbacken. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und vor dem Servieren kräftig mit Staubzucker bestreuen.
 
Gericht: Brauchtumsgebäck, Brot und Gebäck
Küche: Österreichisch

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